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stolpersteine der familie gumprich
Stolpersteine der Familie Gumprich in der Südstraße 44
14.12.2020
Kommunikation

Gegen das Vergessen

Zwölf Straßen im Oxford-Quartier erinnern an Opfer der NS-Zeit 
Aus dem Leben gerissen wegen Abstammung oder Überzeugung: Wer aufmerksam durch die Stadt Münster geht, trifft an vielen Standorten auf so genannte „Stolpersteine“, die auf (zumeist jüdische) Opfer des NS-Regimes aufmerksam machen. Im zukünftigen Oxford-Quartier gehen die Planer noch einen Schritt weiter: Die neuen Straßennamen sind zehn Frauen und zwei Familien gewidmet, deren trauriges Schicksal nicht in Vergessenheit geraten soll. Ein wichtiges Stück Erinnerungskultur, das zugleich die Brücke schlägt zwischen der Geschichte des Geländes, dessen Wurzeln in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft liegen, und dem klaren Bekenntnis: „Nie wieder Krieg und Gewalt.“ 

Die Vorschläge stammen von den Autorinnen des Buches „Jüdische Familien in Münster 1918 bis 1945“, Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer. Den entsprechenden Bebauungsplanentschluss fasste die Bezirksvertretung Münster-West am 7. Mai 2020. Weitere Informationen, Bildmaterial und – falls vorhanden –  Angaben zu den Standorten der Stolpersteine gibt es auf der Website der Stadt Münster. 

 

Zur Website der Stadt Münster

Lageplan Oxford-Quartier mit eingezeichneten Straßen
stolpersteine und portrait von edith miltenberg
Stolperstein vor dem Haus Südstraße 26
Edith Miltenberg (1936)

Edith-Miltenberg-Weg 
Edith Miltenberg wurde am 24. Februar 1922 in Münster geboren. Mit ihren Eltern und ihrer Schwester Hannelore wohnte sie an der Südstraße 30, wo ihr Vater eine Viehhandlung betrieb. Weil sich die Emigration der gesamten Familie nicht bewerkstelligen ließ, plante sie, als Haushaltshilfe allein nach England auszuwandern. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs durchkreuzte ihre Pläne. Am 13. Dezember 1941 wurde Edith Miltenberg mit ihrer Familie ins Ghetto Riga deportiert. Nach der Auflösung des Ghettos im November 1943 wurde die gesamte Familie ins KZ Riga-Strasdenhof verschleppt und dort ermordet. 

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stolpersteine und portrait von Elfriede Meyer
Stolperstein vor dem Haus Rudolfstraße 20
Elfriede Meyer (1941)

Elfriede-Meyer-Weg 
Elfriede Meyer, geboren am 3. Februar 1896 in Münster unter dem Mädchennamen Feibes, entstammte der münsterischen jüdischen Kaufmannsfamilie Feibes an der Salzstraße. Ihr Vater war der erste jüdische Stadtverordnete Münsters. Mit dem Novemberpogrom 1938 und der erfolgten Emigration ihrer beiden Kinder nach England 1939, wurde das Vermögen des Ehepaares Elfriede und Rechtsanwalt Dr. Max Meyer gesperrt. Nachdem ihr Haus an der Rudolfstraße 1941 durch Brandbomben zerstört worden war, zogen sie erst ins „Judenhaus“ an der Salzstraße 3 (ihr ehemaliges Elternhaus) und schließlich zu Verwandten nach Minden. 1942 wurde Elfriede Meyer mit ihrem Ehemann ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo ihr Mann den Lagerbedingungen erlag. Sie selbst wurde am 16. Oktober 1944 ins KZ Auschwitz verbracht und dort ermordet. Ihr Sohn und ihre Tochter konnten nach England entkommen. 

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stolpersteine und portrait von else scheuer
Stolperstein vor dem Haus Raesfeldstraße 28
Else Scheuer (1940)

Else-Scheuer-Weg 
Die Lehrerin Else Scheuer wurde am 23. Dezember 1900 in Rheine unter dem Mädchennamen Reingenheim geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg zog sie mit der Familie nach Münster, wo sie später als Englischlehrerin an der jüdischen Schule in der Marks-Haindorf-Stiftung unterrichtete. Während ihre Eltern mit Hilfe des Bruders nach Brasilien auswandern konnten, musste sie mit ihrem Ehemann Hermann Scheuer in NS-Deutschland bleiben. Mit ihrem Ehemann wurde sie am 13. Dezember 1941 ins Ghetto Riga deportiert, und kam am 1. Oktober 1944 ins KZ Stutthof. Sie verlor dort am 8. Januar 1945 ihr Leben, einige Tage, nachdem ihr Ehemann in einem Außenlager von Stutthof umgekommen war. 

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stolpersteine und portrait von Henny Uhlmann
Stolperstein vor dem Haus Salzstraße 31
Emil und Henny Uhlmann mit ihren Kindern Heinz und Lieselotte (Ende 1935)

Henny-Uhlmann-Weg 
Henny (Henriette) Uhlmann, geboren am 2. September 1888 in Münster unter dem Mädchennamen Scheiberg, wuchs im elterlichen Haus an der Salzstraße 31 auf. Mit 18 Jahren heiratete sie den neun Jahre älteren Kaufmann Emil Uhlmann und bekam 1908 und 1909 zwei Kinder. Bedenken, vor allem finanzieller Natur, hielten sie lange in Deutschland fest. Als 1940 doch die Emigration nach Luxemburg gelang, wurde das Land kurze Zeit später vom Deutschen Reich besetzt. Henny Uhlmann und ihr Ehemann wurden in das Ghetto Litzmannstadt/Lodz verbracht, wo Emil Uhlmann umkam. Mitte September 1942 wurde Henny Uhlmann im Vernichtungslager Chelmno-Kulmhof vergast. Die Tochter konnte mit ihrem Ehemann nach Chile entkommen. 

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portrait von Henriette Hertz
Henriette Hertz (um 1935)

Henriette-Hertz-Weg 
Henriette Hertz wurde am 14. August 1913 in Münster geboren. Sie gehörte einer assimilierten deutsch-jüdischen Familie an. Als Jüdin fand sie 1933 keine Lehrstelle und musste ihren Plan, Modezeichnerin zu werden, aufgeben. Ihr Vorhaben, in die USA auszuwandern, ließ sich nicht verwirklichen. Nach dem Tod ihrer Eltern und den beginnenden Deportationen tauchte Henriette Hertz – nachdem sie gewarnt worden war – im Rheinland unter. Mit Unterstützung von Bekannten gelang es ihr, bis Kriegsende in der Illegalität zu überleben. Nach der Befreiung und einem einjährigen Aufenthalt in den USA kehrte sie in ihr Elternhaus nach Münster zurück.  

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stolpersteine und portrait von Luise Rappoport
Stolperstein vor dem Haus Herwarthstraße 7
Luise Rappoport (um 1939)

Luise-Rappoport-Weg 
Luise Rappoport wurde am 12. September 1876 in Oldenburg unter dem Mädchennamen Schulmann geboren. Seit ihrer Heirat 1898 wohnte sie in Münster. Nach dem Tod ihres Ehemanns, des Getreidekaufmanns Hermann Rappoport, und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde sie durch das neue Regime Stück für Stück ihres Vermögens beraubt. Ihre beabsichtigte Auswanderung scheiterte mit Kriegsbeginn. Ab dem 3. Februar 1942 wohnte sie mit weiteren drei Frauen in einem Raum in der letzten münsterischen Sammelunterkunft Am Kanonengraben 4, der früheren Marks-Haindorf-Stiftung. Am 31. Juli 1942 wurde sie ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Von dort aus gelangte sie am 23. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie umkam. Ihre drei zwischen 1899 und 1904 in Münster geborenen Kinder konnten emigrieren. 

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stolpersteine und portrait von Meta Seelig
Stolperstein vor dem Haus An den Bleichen 15
Reinhold und Meta Seelig (um 1933)

Meta-Seelig-Weg 
Meta Seelig wurde am 2. April 1899 in Münster als fünftes von acht Kindern des Altwarenhändlers Salomon Steinweg geboren. Ihr Elternhaus befand sich An den Bleichen 5. Während sie mit den beiden Söhnen auch nach dem Verkauf des Elternhauses 1935 An den Bleichen 5 wohnte, wuchs ihre Tochter Anita bei ihrer kinderlosen Schwester in Rostock auf und emigrierte mit den Pflegeeltern 1934 nach Italien. Für den Rest der Familie scheiterten die Emigrationspläne. Meta Seelig wurde mit Ehemann und ihren Söhnen Paul und Kurt am 13. Dezember 1941 ins Ghetto Riga deportiert, wo vermutlich bei dessen Liquidierung im November 1943 alle vier ums Leben kamen. 

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portrait von Nanny Katz
Das Gebäude der Marks-Haindorf-Stiftung Am Kanonengraben Nr. 4 (2010)
Nanny Katz (um 1930)

Nanny-Katz-Weg 
Nanny Katz, geboren am 2. Mai 1870 in Ibbenbüren unter dem Mädchennamen Löwenstein, hatte 1906 den 18 Jahre älteren Metzger Eli Katz geheiratet. Seitdem wohnte sie in Münster. Aus der Ehe gingen 1907 und 1910 zwei Kinder hervor. Am 3. Februar 1942 musste sie in das letzte münsterische „Judenhaus“ Am Kanonengraben 4 umziehen und teilte sich dort einen Raum mit drei weiteren Frauen. Auswanderungsbemühungen nach Palästina blieben angesichts der restriktiven Zuwanderungspolitik der britischen Mandatsmacht vergeblich. Nanny Katz wurde am 31. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert und von dort zwei Monate später am 29. September 1942 ins KZ Treblinka verbracht, wo sie ermordet wurde. 

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stolpersteine und portrait von Sonja Kutner
Stolperstein vor dem Haus Kanalstraße 35
Sonja Kutner (1934)

Sonja-Kutner-Weg 
Sonja Kutner, geboren am 13. Mai 1922 in Münster, war eine der Münsteranerinnen, die der „Judenpolitik“ im Dritten Reich zum Opfer fielen. Ihre Emigrationsversuche in die USA scheiterten. 1941 wurde sie wegen ihrer jüdischen Abstammung gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Großmutter erst ins Ghetto Riga deportiert und nach dessen Auflösung 1943 ins KZ Riga-Strasdenhof. Dort wurden alle drei 1943 ermordet. 

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portrait von Sophie Heimbach
Das Gebäude der Marks-Haindorf-Stiftung Am Kanonengraben Nr. 4 (2010)
Sophie Heimbach (um 1928/29)

Sophie-Heimbach-Weg 
Sophie Heimbach, wurde am 1. Juli 1895 in Laer geboren. 20 Jahre lang war sie als Modistin im Hutgeschäft August Schmedes an der Salzstraße 36 tätig, bis die Deutsche Arbeitsfront (DAF) im Zuge der "Arisierung" durch Druck auf den Firmeninhaber ihre Entlassung erzwang. Couragierte Kunden fanden sich anschließend dennoch zu heimlichen Anproben in ihrer Privatwohnung ein. Über das „Judenhaus“ Hermannstraße 44 gelangte Sophie Heimbach schließlich zur letzten münsterischen Sammelunterkunft Am Kanonengraben 4 (ehemalige Marks-Haindorf-Stiftung). Sophie Heimbach wurde am 31. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt und am 28. Oktober 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und am 30. Oktober 1944 in der Gaskammer ermordet. 

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stolpersteine und portraits der familie gumprich
Stolpersteine vor dem Haus Südstraße 44
Das Ehepaar Irma und Albert Gumprich (1921)
Sonja-Emma Gumprich (1940)
Ruth-Marianne Gumprich (1939)
Rudi Gumprich (1937)

Gumprichstraße 
Die Gumprichstraße, die als zentrale Verbindung vom alten Kaserneneingang an der Roxeler Straße durch das ganze Areal führt, erinnert an eine ganze Familie, die im Dritten Reich ausgelöscht wurde: Irma und Albert Gumprich mit ihren vier Kindern Rudolf, Ruth-Marianne, Sonja-Emma und Uri. Nachdem die Familie Gumprich durch die Schikanen des NS-Regimes Beruf und Vermögen verloren hatte, wurde sie am 27. Januar 1942 ins Ghetto nach Riga deportiert. Albert Gumprich starb dort am 10. Juni 1942. Nach Auflösung des Ghettos in Riga wurden Irma Gumprich sowie die Kinder Ruth-Marianne, Sonja-Emma und Uri im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Rudi Gumprich starb am 8. März 1945 im KZ Buchenwald. 

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stolpersteine und portraits der familie simons
Stolpersteine vor dem Haus Bahnhofstraße 42
Dr. Erich und Elfriede Simons (1925)
Ernst Simons mit seiner Schwester Lore (1936)
Therese-Helene Simons (um 1910)

Simonsplatz
Der Simonsplatz ist nach der Familie Simons benannt. Der Rechtsanwalt Dr. Erich Simons, seine Frau Elfriede, seine Kinder Ernst und Lore sowie seine Mutter wurden zwischen 1943 und 1945 aufgrund ihrer jüdischen Abstammung in Konzentrationslagern ermordet. Zuvor hatte der Rechtsanwalt sich in Münster als Mittelsmann zwischen jüdischen Klienten und NS-Stellen eingesetzt. Die Emigrationspläne der Familie liefen ins Leere. Am 12. Mai 1943 wurde Familie Simons ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Therese-Helene Simons starb acht Wochen nach ihrer Ankunft. Dr. Erich Simons wurde am 9. Oktober 1944 mit Frau und Tochter ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ernst Simons gelangte, getrennt von den anderen, vom Ghetto Theresienstadt am 28. September 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz. Vor dem Anmarsch sowjetischer Truppen wurde er in Richtung Westen auf den Todesmarsch geschickt. Am 7. Januar 1945 wurde er in das Außenlager Kaufering VII – Erpfting des KZ Dachau überstellt und kam dort zwei Tage später um. 

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Alle Fotos auf dieser Seite © Möllenhoff, Schlautmann-Overmeyer

Die Quartierskarte sowie Informationen zu den Straßennamen finden Sie auch in der erstem Ausgabe des Oxford-Magazins.

 

Quartiersleben
07.04.2021

Wandel

Die Skulptur von Werner Rückemann vollzieht den Strukturwandel im Oxford-Quartier nach.
Wettbewerbsdokumentation
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Im Vergabeverfahren setzte sich das Konzept „Moxie“ – Worklife im Grünen durch.
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Wohnen in Gemeinschaft

Die Wettbewerbsdokumentation gibt Einblicke in die Entscheidung der Jury.
Konzeptvergabe
02.03.2021

Moxie – Worklife im Grünen

Der erste Wohnhof im Oxford-Quartier wurde in der Konzeptvergabe „Aktiver Hof“ vergeben.